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Nobelpreisträger als neuer US-Energieminister

Eine neue "Klima-Zarin" wird Koordinatorin

Gestern vollzog Barack Obama den entschlossensten Bruch mit den vergangenen

acht Jahren von George W. Bush. Er erklärte die Bildung einer neuen

Energie-Wirtschaft für die USA zum entscheidenden Ziel seiner

Präsidentschaft und berief einen Nobelpreisträger und Unterstützer von Al

Gore in sein Kabinett.


 

Der zukünftige Präsident nutzte die Vorstellung seines neuen Energie- und

Umweltteams auf einer Pressekonferenz in Chicago zur Bestätigung seiner

Entschlossenheit, eine Energiereform in das Zentrum seiner wirtschaftlichen

Planung zu stellen.

"Wir haben gehört, wie ein Präsident nach dem anderen einen neuen Kurs

versprochen hat", sagte er. "Diesmal soll es anders sein."

Seine Wahl des Physikers Steve Chu als Energieminister und der früheren

Chefin der Umweltbehörde EPA, Carol Browner, als "Klima-Zarin" des Weißen

Hauses stieß auf nahezu einhellige Zustimmung von Umweltfreunden. Die

beruflichen Qualifikationen der beiden wurden als Zeichen von Obamas

Entschlossenheit gewertet, Amerikas Energiemix zu ändern und den Klimawandel

ernsthaft anzugehen.

Gene Karpinski, Vorsitzender der Liga umweltbewusster Wähler, bezeichnete

Browner und Chu als "green dream team", ein ideales Umwelt-Team.

Lester Brown, Präsident des Earth Policy Instituts (eine Amerikanische

Umweltorganisation) meinte: "Wir können einige wirkungsvolle Initiativen

erwarten, die etwas gegen den Klimawandel unternehmen und dem Ernst und der

Dringlichkeit der Situation angemessen sind."

Chu (60) erhielt 1997 den Nobelpreis für Physik und ist Direktor des

Lawrence Berkeley National Laboratory. Er ist ein entschlossener Verfechter

von Aktionen gegen den Klimawandel.

Obama bezeichnete Chus Berufung als ein Zeichen seiner Entschlossenheit, mit

der Bush-Administration zu brechen. Diese hatte Ölindustrie-Manger in das

Energieministerium berufen, wissenschaftliche Berichte der Regierung über

die globale Erwärmung zensiert und die Finanzierung und die Kompetenzen der

Umweltschutzagentur drastisch beschnitten.

"Seine Berufung soll ein Signal an alle sein, dass meine Administration den

Wert der Wissenschaft zu würdigen weiß," sagte er. "Wir werden unsere

Entscheidungen auf der Grundlage von Tatsachen treffen."

Aber trotz des höheren Titels von Chu wird die höhere Kompetenz für

Energie- und Klimafragen bei Browner liegen, die die verschiedenen

Regierungsinstitutionen in Fragen der Energiepolitik koordinieren wird.

Obamas Entscheidung, einen neuen Posten für sie zu schaffen, wurde als

weiteres Zeichen seiner Entschlossenheit gesehen, sich für Klimafragen

einzusetzen. Reid Detchon, Direktor der Energy Future Coalition, bezeichnete

diesen Schritt als "visionär und überfällig".

Browner, die unter Bill Clinton Chefin der Umweltschutz Agentur EPA war,

arbeitete bisher mit Al Gore zusammen und nannte den Klimawandel "die größte

Herausforderung, die es je gegeben habe." Man erwartet von ihr, dass sie der

EPA die Kompetenz gibt, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Dies war unter der

Bush-Administration abgeblockt worden. Sie hat auch die kalifornischen

Anstrengungen unterstützt, die CO2-Emissionen des Autoverkehrs schneller zu

reduzieren als nach Bundesgesetz vorgesehen.

Lisa Jackson, eine Chemieingenieurin und früher in der Umweltpolitik in New

Jersy beschäftigt, ist als Leiterin der EPA vorgesehen, die die Aufgabe hat,

die Luftqualität zu überwachen. Nancy Sutley, Umweltbeamtin aus Kalifornien,

wird Leiterin des Beraterkreises des Präsidenten für Umweltqualität.

Obamas Wirtschaftsteam wird immer wieder einmal dahingehend kritisiert, dass

es stark mit Wall Street verknüpft sei. Doch er hat mehrfach signalisiert,

dass er vorhat, Gesetze zu erlassen, die den Klimawandel bremsen. Gestern

bekräftigte er noch einmal diese Absicht, als er sagte, es gäbe weiterhin

eine dringende Notwendigkeit, alternative Energiequellen weiter zu

entwickeln, trotz des derzeitigen Rückgangs der Ölpreise und trotz der

Wirtschaftskrise.

Allerdings gab es gestern auch einige vorsichtigere Anmerkungen zu Obamas

Personalwahl. Chu, trotz seiner glänzenden Reputation als Wissenschaftler,

habe wenig Politikerfahrung. Auch hies es, Browner würde um Einfluss gegen

andere Präsidentenberater kämpfen müssen, wie General Jim Jones, Obamas

Berater für nationale Sicherheit, und Lawrence Summers, seinen Ratgeber in

Wirtschaftsfragen.